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Wenn der Sozialismus keinen neuen Menschen schafft, hat er keinen Sinn

(Che Guevara)

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Artikel

03.03.2011: Kraftstoffe aus Bioethanol gefährden die weltweite Ernährungssicherheit. INKOTA begrüßt den Boykott des E10-Biosprits durch die deutschen Autofahrer. Seit Januar 2011 kann an deutschen Tankstellen Benzin mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol getankt werden. In den vergangen Wochen haben Autofahrer den E10-Kraftstoff ignoriert. Das Misstrauen gegenüber dem Biokraftstoff ist berechtigt: Der Kraftstoff mit einem 10-prozentigen Anteil aus Bioethanol wird aus Nahrungsmitteln wie Zuckerrohr und Mais produziert. Seit die Bundesregierung und die EU die Beimischung von Bioethanol zu herkömmlichen Kraftstoffen beschlossen haben, orientiert sich der Preis für Zucker und Mais am Ölpreis. Dadurch sind die Nahrungsmittelpreise insbesondere für Menschen in vielen Entwicklungsländern explodiert. Seit Juli 2010 hat sich der Weltmarktpreis für Mais mehr als verdoppelt. „Jeder Autofahrer, der den E10-Kraftstoff tankt, trägt zu einer Verschärfung des weltweiten Hungers bei. Es ist absolut richtig, mit einem Boykott des E10-Kraftstoffs, ein Zeichen gegen die Biokraftstoff-Politik der Bundesregierung zu setzen“, erklärt Evelyn Bahn, Referentin beim entwicklungspolitischen Netzwerk INKOTA. In den vergangen Jahren wurden die negativen Auswirkungen der Förderung von Biokraftstoffen rund um den Globus sichtbar. Weltweit ist ein Wettlauf um Ackerland entbrannt: In Indonesien wurden tausende Hektar Regenwald abgeholzt, in Brasilien müssen Zuckerrohrarbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten und in vielen Ländern Afrikas werden immer häufiger Kleinbauern von ihrem Land vertrieben, um den Plantagen für den Anbau von Energiepflanzen Platz zu machen. Laut Weltbank wurden allein im Zeitraum 2008 bis August 2009 Landverträge über 46,6 Millionen Hektar Land abgeschlossen oder angekündigt. Auf 35,2 Prozent des Landes sollen Pflanzen für die Biokraftstoffproduktion angebaut werden. Immer häufiger werden Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und verlieren damit ihre Existenzgrundlage. „Mit ihrer Biospritpolitik fördert die Bundesregierung die großflächigen Landnahmen in den Entwicklungsländern. Dieses Land  dass bei der Produktion von Biokraftstoffen soziale und ökologische Standards eingehalten werden, muss es einen Import-Stopp von Bioethanol geben“, fordert Evelyn Bahn. Das INKOTA-netzwerk fordert Umweltminister Norbert Röttgen dazu auf, sich für eine Rücknahme der Beimischungsquoten von Biokraftstoffen auszusprechen. Bereits 2009 sprach sich der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung gegen die Beimischung von Biokraftstoffen aus, da sie keinen Beitrag zum Klimaschutz leiste und die Produktion nicht nachhaltig sei. Die Bundesregierung ignoriert den Bericht des Beirats weiterhin. Weitere Informationen: INKOTA-netzwerk, Chrysanthemenstraße 1-3 · 10407 Berlin, Telefon: 030-420 820 20, Handy: 0177-32 43408 www.inkota.de Evelyn Bahn, bahn@inkota.de. INKOTA ist ein entwicklungspolitisches Netzwerk aus Basisgruppen, Weltläden, Kirchengemeinden und Einzelengagierter. Schon seit 1971 setzt sich INKOTA gemeinsam mit Menschen im Norden und Süden für eine gerechtere Welt ein. INKOTA unterstützt seit vielen Jahren Projekte der ländlichen Entwicklung, Agrarkooperativen und Bauernorganisationen in Zentralamerika und Mosambik. Neben der Projektunterstützung sieht INKOTA die Bildungs- und Kampagnenarbeit in Deutschland als zentralen Aspekt seiner Arbeit an. Mein Kommentar zu dieser Pressemitteilung: ich werde E10 nicht tanken.

 

24.02.2011: Guttenberg und die Plagiatsaffäre Die verachtete Wissenschaft. Ein Kommentar von Thomas Steinfeld. Die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt. Die Universität Bayreuth hat Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktorgrad entzogen. Minister aber bleibt er, jedenfalls bis auf weiteres. Er habe "nicht bewusst getäuscht", sagt er. Wer immer in seiner Dissertation gelesen hat, wird ihm das nicht glauben - bei weit mehr als hundert, vielleicht sogar mehreren hundert nicht ausgewiesenen Übernahmen aus Werken anderer Autoren, von denen viele zudem gegenüber den Originalen leicht verändert sind. Weil die Universität Bayreuth von ihren Promovenden eine "ehrenwörtliche" Erklärung verlangt, man habe die Arbeit allein und selbständig verfasst, wird sich vielleicht noch eine Kommission mit dem Willen zur Täuschung beschäftigen. Ob dabei etwas herauskommt, ist eher ungewiss, aus politischen Gründen. Aus Guttenbergs Sicht ist der Skandal jedenfalls erledigt. Zurück aber bleiben nicht nur ein etwas angesengter Minister, sondern eine verheerte akademische Landschaft. Das liegt nicht nur daran, dass sich nun Hunderttausende Prüfer fragen müssen, welche Standards von Selbständigkeit und Originalität sie an die Arbeiten ihrer Kandidaten anzulegen haben. Es liegt noch weniger daran, dass die Kluft zwischen einem "summa cum laude" und einem aberkannten Doktorgrad ein erhebliches Maß an Willkür im Umgang mit Qualifikationsarbeiten auf Seiten der Universität offenbart. Das liegt vor allem daran, dass in dieser Affäre deutlich wurde, was das regierende Personal tatsächlich über die Universität denkt. Es gebe in Deutschland andere Probleme als Fußnoten, sagte Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident (als ob Plagiate gleich Fußnoten wären). Und die Bundeskanzlerin erklärte, sie haben einen Verteidigungsminister und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter berufen (als ob ein Täuscher und Blender dasselbe wäre wie ein Assistent). Die beiden wissen sich einig mit einem Großteil der Bevölkerung, der Betrügereien im akademischen Betrieb offenbar für eine lässliche Sünde hält - im Unterschied zu Betrügereien im Sport, zum Doping, das in den Augen derselben Menschen unnachsichtig geahndet gehört. Die Voraussetzung für solche Lässigkeit ist die Überzeugung, dass die gesellschaftliche Sphäre, in der sich Guttenberg seine Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen, insgesamt von untergeordneter Bedeutung ist. Und das heißt nicht nur, dass es in Deutschland Wichtigeres gibt als Wissenschaft. Sondern es heißt auch, dass Wissenschaft so unwichtig ist, dass man dort krumme Touren drehen kann, ohne in den Sphären, die wirklich wichtig sind, Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Unaufrichtigkeit des Verteidigungsministers fällt nicht ins Gewicht, weil sie in eine Sphäre fällt, die als solche nicht ins Gewicht fällt. Diese Affäre hinterlässt Verheerung: Seitdem die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie vor gut zehn Jahren als nationale Katastrophe behandelt wurden, vor allem von Politikern, folgt eine Bildungsinitiative auf die andere. Die Reform der akademischen Ausbildung nach den Prinzipien von Bologna setzte eine radikale Verschärfung des akademischen Wettbewerbs in die Welt, das Kriterium der Exzellenz teilte die deutschen Universitäten in international konkurrenzfähige Institute und Anstalten von regionaler Bedeutung. All diese Reformen wurden, besonders von der Politik, mit der Rhetorik höchster Dringlichkeit, ja des drohenden nationalen Notstands vorgetragen. Nicht weniger als die Zukunft Deutschlands sollte auf dem Spiel stehen. Exzellenz muss ein Fetisch sein: Was davon tatsächlich zu halten ist, offenbart die Verachtung der akademischen Welt, die aus den Kommentaren Bouffiers und Merkels wie aus Mund vieler Wähler tönt. Und hätte nicht Annette Schavan, die Ministerin für Bildung und Forschung, die Propagandistin der Exzellenz und des akademischen Wettbewerbs, die Erste sein müssen, die in dieser Affäre auf Einhaltung der akademischen Standards pochte - anstatt den Kollegen sogar in Schutz zu nehmen? Man hat sich offenbar getäuscht. Die Exzellenz muss ein Fetisch sein, der zur obsessiven Beschäftigung der akademischen Welt mit sich selbst dient. Die Aufgabe von Fußnoten besteht demnach nicht darin, die Quellen offenzulegen, den Forschungsstand zu dokumentieren und die intellektuelle Leistung anderer zu achten, sondern darin, Gunst- und Autoritätsbeweise zu spendieren. Und der akademische Betrieb besteht dieser Wahrnehmung zufolge in eben jener Ansammlung ebenso weltvergessener wie intriganter Eierköpfe, die der gesunde Menschenverstand, wie er im Volke so verbreitet ist, schon immer in der Wissenschaft erkennen wollte. Denn worauf zielen die demoskopischen Umfragen, die in den vergangenen Tagen veranstaltet wurden, um die Reaktion der Wähler auf diese Affäre zu ermitteln - wenn nicht auch der Suggestion, es ließe sich über die Bedeutung der Standards, die der Verteidigungsminister verletzte, eine Volksabstimmung durchführen? Man kann nicht auf der einen Seite erklären, Bildung sei die wichtigste Ressource dieses Landes, um auf der anderen Seite die Qualifikationsstandards dem Populismus zu überlassen. Man kann Wissenschaft nicht gleichzeitig beschwören und verachten. Geschehen ist es trotzdem. Darin besteht die Verheerung, die diese Affäre zurücklässt. URL: http://sueddeutsche.dehttp://www.sueddeutsche.de/karriere/guttenberg-und-die-plagiatsaffaere-die-verachtete-wissenschaft-1.1064590. Copyright: sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH. Quelle: (SZ vom 23.02.2011/jab)


14.02.2011, 18:40 Uhr | dpa: Polizei warnt vor neuer Betrugsmasche am Geldautomaten. Am Geldautomaten lauert eine neue Gefahr: Polizeibehörden mehrerer Bundesländer haben in den vergangenen Tagen vor sogenanntem "Cash-Trapping" gewarnt. Dabei bringen die Täter eine baugleiche Attrappe des Verschlusses über der Geldausgabe an und verhindern den Zugriff auf das Geld. Das Geld kommt so nicht zum Kunden, sondern bleibt in der Falle hängen. Kunden werden getäuscht. Wenn ein Kunde Bargeld abhebt, wird das Geld zwar ausgeworfen, bleibt aber an einem Klebestreifen an der Rückseite der Attrappe hängen. Der Kunde vermutet, dass sich der Schacht durch einen technischen Defekt nicht geöffnet hat und wendet sich möglicherweise erst später an seine Bank. Der Betrag wird aber vom Konto abgebucht und in einem unbeobachteten Moment verschwinden die Täter mit Geld und Attrappe. Der Klebestreifen verhindere dabei, dass das Geld wieder eingezogen wird, berichtete die Polizei in Viersen. Flächendeckender Betrug. Die Masche ist der Polizei zwar bereits länger bekannt, taucht nun aber erstmals massiv und flächendeckend auf. In Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bremen schlugen die Täter in den vergangenen Wochen bereits zu. Kunden müssen genau aufpassen. Die Polizei rät daher bei Abhebungen an Geldautomaten zu besonderer Vorsicht: Sollte bei einer Abbuchung Geld nicht ausgegeben werden, raten die Beamten, am Geldautomaten zu bleiben und Kontakt zur Bank aufzunehmen. "Schauen Sie sich auch den Geldausgabeschacht genau an, ob eventuell Manipulationen vorgenommen wurden. Im Zweifelsfall informieren Sie die Polizei", hieß es. http://wirtschaft.t-online.de/geldautomaten-polizei-warnt-vor-neuer-betrugsmasche/id_44385964/index


02.12.2009: Hass aufs Anderssein. Obdachlose, Schwule, Andersgläubige: Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100.000 Angehörige von Minderheiten Opfer einer Gewalttat. Experten sehen in den "Hate Crimes" eine Gefahr für die zivilisierte Gesellschaft. Von Malte Steinhoff mehr...


18.05.2009: Deutschland ist sozial zerrissen. Die ärmsten Regionen in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Als arm gilt, wem weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Ein Single gilt zum Beispiel als arm, wenn er über weniger als 764 Euro verfügt. Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider stellte den Atlas am Montag in Berlin vor. Weiter unter http://nachrichten.t-online.de/c/18/76/15/58/18761558.html


13.05.2009: Polizeistaat-Ranking: Deutschland unter Top Ten. "Gehören zur Weltspitze bei elektronischer Bürgerüberwachung. Chicago (pte/13.05.2009/13:50) - Deutschland gehört zu den zehn Staaten der Welt, in denen die Bürger in Bezug auf die Nutzung von Informationstechnologien am stärksten überwacht werden. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuell vorgelegte Untersuchung des US-Security-Unternehmens Cryptohippie https://secure.cryptohippie.com, die insgesamt 52 Nationen daraufhin analysiert hat, wie intensiv die dort lebenden Menschen von den örtlichen Behörden ausspioniert werden. An der Spitze des Negativ-Rankings des sogenannten "The Electronic Police State"-Berichts für das Jahr 2008 finden sich wenig überraschend die kommunistischen Staaten China und Nordkorea wieder. Dicht dahinter folgen Weißrussland, Russland, Großbritannien (England und Wales) sowie die Vereinigten Staaten. Vervollständigt werden die Top-Ten-Platzierungen durch die westlichen Demokratien Israel, Frankreich und Deutschland. "Dass Deutschland im Überwachungs-Ranking derart weit vorne zu finden ist, ist einerseits zwar etwas verblüffend, bei genauerer Betrachtung aber auch keine allzu große Überraschung", meint Thilo Weichert, Leiter des Unabhängiges Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) https://www.datenschutzzentrum.de , im Gespräch mit pressetext. Die Ergebnisse der Cryptohippie-Studie würden insgesamt gesehen gut ins Bild passen und bestätigen, dass die Bundesrepublik in Sachen elektronischer Überwachung bereits einige bedenkliche Entwicklungen vorzuweisen habe. "Wir sind zwar nicht Weltmeister, was die elektronische Bürgerkontrolle betrifft, immerhin gehören wir in dieser Hinsicht aber zur Weltspitze. Vor allem mit der viel diskutierten Vorratsdatenspeicherung hat Deutschland einen Schritt vollzogen, der von anderen EU-Ländern noch nicht gewagt worden ist", stellt Weichert fest. "Wir wissen, dass unsere Regierungen und private Unternehmen nahezu jede Form unserer elektronischen Kommunikation überwachen. Dadurch fühlen sich die meisten von uns zwar etwas beunruhigt, doch nur die wenigsten sagen oder tun etwas dagegen", heißt es im Cryptohippie-Bericht. Hauptursache hierfür sei in erster Linie das fehlende Wissen darüber, welche drastischen Konsequenzen das Aufzeichnen, Ordnen, Durchsuchen und Verteilen der gesammelten User-Daten für die Betroffenen haben kann. Jede E-Mail oder Kreditkartentransaktion und jeder Webseitenbesuch oder Handy-Gebrauch würde von einem elektronischen Überwachungsstaat für lange Zeit in einer Datenbank gespeichert. Von dort könnten sie per Knopfdruck zu jeder Zeit von den Behörden als Beweis gegen den Bürger verwendet werden. "Was das entsprechende Gefahrenbewusstsein betrifft, ist die Sensibilität innerhalb der deutschen Bevölkerung im internationalen Vergleich stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Bestätigt wird diese Einschätzung unter anderem durch den Widerstand im Rahmen der Einführung der Vorratsdatenspeicherung und der aktuellen öffentlichen Debatte um die Sperrung von Kinderpornoseiten", betont Weichert. Insbesondere im Bereich der Internetnutzung sei aber sicherlich noch viel an Arbeit nötig, um die deutschen Nutzer über Gefahren, die im Netz auf sie lauern, aufzuklären. "Die meisten Menschen glauben auch heute noch, dass sie ihre persönlichen Erfahrungen aus der Offline-Welt einfach in das Internet übertragen können. Sie sind sich nicht bewusst, dass sie zu jeder Zeit eine Datenspur im Netz hinterlassen, die weltweit nachvollzogen werden kann. Bewusstseinsbildung ist aber auch in den Reihen der Politik erforderlich, denn die Politikergeneration, die heute das Sagen hat, setzt sich noch vorwiegend aus Verweigerern der neuen Kommunikationstechnologien zusammen", so Weichert abschließend. (Ende) Quelle: http://pressetext.de/news/090513033/polizeistaat-ranking-deutschland-unter-top-ten/

 

19.Dezember 2008, STROMSTOSS-EXPERIMENT. So leicht werden Menschen zu Folterknechten von Christian Stöcker. Die Elektroschock-Experimente Stanley Milgrams sind legendär. Sie gelten bis heute als Beleg dafür, dass auch ganz normale Menschen schnell zu erbarmungslosen Folterknechten werden können. Nun wurde die historische Studie wiederholt - mit ernüchterndem Ergebnis. Was Stanley Milgram seinen Versuchspersonen im Jahr 1961 antat, darf heute kein Forscher in der westlichen Welt mehr - und seien seine Absichten auch noch so lauter. Nun wurde die Studie über Gehorsam und Gnadenlosigkeit in einer Light-Version wiederholt. Und wieder zeigte sich, wie leicht Menschen dazu gebracht werden können, andere zu quälen. Wie in der Originalstudie ging es eigentlich nur darum, einen "Schüler" - der in Wahrheit ein Helfer des Forschers war - mit Bestrafung zum besseren Lernen von Wortpaaren zu bringen. Milgrams legendäres Experiment veränderte das Selbstbild der Menschheit auf Dauer, weil er mit einer schlichten Methode vorführte, wie leicht normale Menschen zu Folterknechten gemacht werden können, zu gehorsamen Erfüllungsgehilfen einer zerstörerischen Autorität. Der Großteil seiner Versuchspersonen verteilte Elektroschocks, bis eine vermeintliche Versuchsperson im Nebenraum zunächst vor Schmerzen brüllte und dann plötzlich, aber dauerhaft verstummte. "Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen", sagte der Herr im weißen Kittel, und die Versuchspersonen drückten noch einmal auf den Knopf. Wollte der Proband erneut abbrechen, sagte der Versuchsleiter: "Es ist unbedingt notwendig, dass Sie weitermachen." Und die Mehrheit tat das auch. Auch wenn der durch jeden Knopfdruck vermeintlich mit Elektroschocks traktierte "Schüler" im Nebenraum schon schrie, scheinbar vor Schmerzen. Ist die Menschheit heute gnädiger als vor 50 Jahren? Die Mehrheit der Versuchspersonen ging mit den Elektroschocks bis zum Ende der Skala, bis 450 Volt, in 15-Volt-Schritten. Diese Kombination aus ungewohnter Situation, nicht hinterfragter Autorität und Salamitaktik betrachtete Milgram als Kernfaktoren, die zum erbarmungslosen Verhalten seiner Testpersonen beitrugen. Gerade in den Jahren seit dem 11. September 2001, in denen Folter plötzlich wieder zum Mittel der Politik zu werden schien, wurden Milgrams Ergebnisse oft zitiert, um etwa die Greuel von Abu Ghureib zu erklären. In verschiedenen Varianten ist die Erkenntnis immer wieder erneuert worden - in (fast) jedem steckt ein Folterknecht. Nun versuchte sich der Psychologe Jerry Burger erneut an Milgrams Versuchsaufbau. Seine implizite Kernfrage: Sind wir heute besser? Hat die Menschheit dazugelernt, lassen wir uns nicht mehr so einfach zu Folterern machen wie damals in den frühen Sechzigern? Das hat schon lange niemand mehr probiert - aus ethischen Gründen: Experimente wie das Original, in dem den Versuchspersonen suggeriert wurde, sie hätten einen Menschen gequält und womöglich dauerhaft geschädigt, gelten heute als nicht mehr vertretbar. In manchen Varianten der Originalexperimente verwies der "Schüler" im Nebenraum schreiend auf eine Herzerkrankung und verstummte dann. Probanden solchem Stress auszusetzen, widerspricht heutigen Ethik-Richtlinien für Experimente. Weiterdrücken, auch wenn das Opfer nicht mehr reagiert. Also setzte Burger einen niedrigeren Abbruchpunkt an: Bei 150 Volt, im Original wie in der neuen Studie, schrie der "Schüler" zum ersten Mal vor Schmerzen auf. Bei Milgram zögerten die Versuchspersonen hier und wurden zum ersten Mal wirklich unsicher. Wer jenseits von 150 Volt weitermachte, tat das meist bis ganz ans Ende. Mehr als 80 Prozent der Probanden, die 150 Volt verabreicht hatten, drückten bis 450 Volt weiter auf die Knöpfe - auch wenn der Proband irgendwann weder auf die Fragen noch auf die Elektroschocks reagierte. Burger ließ deshalb nur virtuelle Stromstöße bis 150 Volt austeilen. Wenn Probanden danach weitermachen wollten, hielt der Versuchsleiter sie davon ab. Es handele sich um "Gehorsam light", schreibt Alan Elms, der in den Sechzigern mit Milgram zusammenarbeitete, in einem Kommentar zu Burgers Studie. "Wenn man den Mann schreien hört 'lasst mich raus, ich halte es nicht mehr aus', ist das der Punkt, an dem der Stress, für den man Milgram kritisiert hat, einsetzt", sagt Burger über seine Studie, die nun im "American Psychologist" erscheint. In der "Light"-Version waren nicht ganz so viele Versuchspersonen bereit, nach dem Schmerzensschrei noch weiterzumachen - 70 Prozent hätten auch den Knopf für 165 Volt noch gedrückt. Die Abweichung zum Original ist jedoch nicht einmal statistisch bedeutsam. Um zu überprüfen, ob der mäßigende Einfluss einer zweiten Person daran etwas ändern würde, schleuste Burger in einem zweiten Experiment eine vermeintliche Co-Versuchsperson ein. Sie weigerte sich ab einer Spannung von 90 Volt, weitere Schocks zu verteilen. Doch trotz des guten Beispiels übernahmen die meisten der Versuchspersonen an dieser Stelle freiwillig die Aufgabe des Knöpfedrückens - und 65 Prozent der Teilnehmer hätten auch unter diesen Bedingungen nach dem Hilferuf noch weitergemacht. Ein "überraschendes und enttäuschendes" Ergebnis sei das, sagt Burger. "Ernstzunehmende Lücke" Eins mache seine Studie jedoch deutlich: Die "Vorstellung, dass die Menschen in den frühen sechziger Jahren irgendwie einfacher zu Gehorsam zu bewegen waren", sei nicht haltbar. Milgrams früherer Mitarbeiter Elms zeigte sich einerseits schockiert von Burgers Ergebnissen. Er habe in Interviews immer wieder der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die Ergebnisse aus den Sechzigern heute nicht mehr replizierbar wären, schreibt Elms in einem Kommentar. "Da gehen meine hoffnungsvollen Erwartungen über deutlich geringeren Gehorsam dahin!". Er verweist jedoch auf Vorsichtsmaßnahmen, die Burger getroffen hat und die in seinen Augen das Ergebnis schwächen: Burger akzeptierte nur Versuchspersonen, die das Milgram-Experiment eigenen Angaben zufolge nicht kannten. Und er ließ von Psychiatern Interviews durchführen, um Menschen auszuschließen, denen die Stresssituation des Experimentes hätte Schaden zufügen können. Die nach dieser Doppelauswahl übriggebliebenen Probanden könnten möglicherweise "beträchtlich gehorsamer sein" als Durchschnittsmenschen, spekuliert Elms. Ein zweiter Kommentator, der Psychologe Arthur Miller, spricht in der gleichen Ausgabe des "American Psychologist" sogar von "ethischem Overkill" in Burgers Studie. Man könne die Arbeit mit den Originalexperimenten nicht sinnvoll vergleichen. Dennoch seien Studien wie die Burgers gerade heute wieder dringend nötig, sie "füllen eine ernstzunehmende Lücke". Miller: "Die Bedingungen und Gründe zu verstehen, die Menschen dazu bringen, physischen Schmerz zu verursachen und Strafen bis hin zu Mord zu verteilen, insbesondere auf Befehl innerhalb einer Organisationshierarchie, ist heute vielleicht wichtiger als je zuvor." Mit Material von Reuters. URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,597501,00.html

ZUM THEMA AUF SPIEGEL ONLINE:

Psychologie: Was Menschen zu Tätern macht (14.03.2008)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,541023,00.html

Psychologie-Studie: In jedem steckt ein Folterknecht (26.11.2004)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,329706,00.html

ZUM THEMA IM INTERNET:

"American Psychologist": Kommentar von Elms
http://www.apa.org/journals/releases/amp641-3.pdf

"American Psychologist": Kommentar von Miller
http://www.apa.org/journals/releases/amp641-2.pdf

"American Psychologist": Burger repliziert Milgram
http://www.apa.org/journals/releases/amp641-1.pdf

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