Würde mich über Einträge im Gästebuch freuenBesucherzähler ab September 2005 |  |  |  |  |  |
Wenn der Sozialismus keinen neuen Menschen schafft, hat er keinen Sinn
(Che Guevara) ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Artikel
03.03.2011: Kraftstoffe aus Bioethanol
gefährden die weltweite Ernährungssicherheit. INKOTA begrüßt den Boykott des
E10-Biosprits durch die deutschen Autofahrer. Seit Januar 2011 kann an
deutschen Tankstellen Benzin mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol
getankt werden. In den vergangen Wochen haben Autofahrer den E10-Kraftstoff
ignoriert. Das Misstrauen gegenüber dem Biokraftstoff ist berechtigt: Der
Kraftstoff mit einem 10-prozentigen Anteil aus Bioethanol wird aus
Nahrungsmitteln wie Zuckerrohr und Mais produziert. Seit die Bundesregierung
und die EU die Beimischung von Bioethanol zu herkömmlichen Kraftstoffen
beschlossen haben, orientiert sich der Preis für Zucker und Mais am Ölpreis.
Dadurch sind die Nahrungsmittelpreise insbesondere für Menschen in vielen
Entwicklungsländern explodiert. Seit Juli 2010 hat sich der Weltmarktpreis für
Mais mehr als verdoppelt. „Jeder Autofahrer, der den E10-Kraftstoff tankt, trägt
zu einer Verschärfung des weltweiten Hungers bei. Es ist absolut richtig, mit
einem Boykott des E10-Kraftstoffs, ein Zeichen gegen die Biokraftstoff-Politik
der Bundesregierung zu setzen“, erklärt Evelyn Bahn, Referentin beim
entwicklungspolitischen Netzwerk INKOTA. In den vergangen Jahren wurden die
negativen Auswirkungen der Förderung von Biokraftstoffen rund um den Globus
sichtbar. Weltweit ist ein Wettlauf um Ackerland entbrannt: In Indonesien
wurden tausende Hektar Regenwald abgeholzt, in Brasilien müssen
Zuckerrohrarbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten und in vielen
Ländern Afrikas werden immer häufiger Kleinbauern von ihrem Land vertrieben, um
den Plantagen für den Anbau von Energiepflanzen Platz zu machen. Laut Weltbank
wurden allein im Zeitraum 2008 bis August 2009 Landverträge über 46,6 Millionen
Hektar Land abgeschlossen oder angekündigt. Auf 35,2 Prozent des Landes sollen
Pflanzen für die Biokraftstoffproduktion angebaut werden. Immer häufiger werden
Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und verlieren damit ihre
Existenzgrundlage. „Mit ihrer Biospritpolitik fördert die Bundesregierung die
großflächigen Landnahmen in den Entwicklungsländern. Dieses Land dass bei der Produktion von Biokraftstoffen
soziale und ökologische Standards eingehalten werden, muss es einen
Import-Stopp von Bioethanol geben“, fordert Evelyn Bahn. Das INKOTA-netzwerk
fordert Umweltminister Norbert Röttgen dazu auf, sich für eine Rücknahme der
Beimischungsquoten von Biokraftstoffen auszusprechen. Bereits 2009 sprach sich
der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung gegen die Beimischung von
Biokraftstoffen aus, da sie keinen Beitrag zum Klimaschutz leiste und die
Produktion nicht nachhaltig sei. Die Bundesregierung ignoriert den Bericht des
Beirats weiterhin. Weitere Informationen: INKOTA-netzwerk, Chrysanthemenstraße 1-3 · 10407 Berlin, Telefon: 030-420 820 20,
Handy: 0177-32 43408 www.inkota.de Evelyn
Bahn, bahn@inkota.de. INKOTA ist ein
entwicklungspolitisches Netzwerk aus Basisgruppen, Weltläden, Kirchengemeinden
und Einzelengagierter. Schon seit 1971 setzt sich INKOTA gemeinsam mit Menschen
im Norden und Süden für eine gerechtere Welt ein. INKOTA unterstützt seit
vielen Jahren Projekte der ländlichen Entwicklung, Agrarkooperativen und
Bauernorganisationen in Zentralamerika und Mosambik. Neben der
Projektunterstützung sieht INKOTA die Bildungs- und Kampagnenarbeit in
Deutschland als zentralen Aspekt seiner Arbeit an. Mein Kommentar zu dieser Pressemitteilung:
ich werde E10 nicht tanken.
24.02.2011: Guttenberg und die Plagiatsaffäre Die
verachtete Wissenschaft. Ein Kommentar von Thomas Steinfeld. Die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister Guttenberg zeigt, was
Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt
halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren
drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der
Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer
beschädigt. Die Universität Bayreuth
hat Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktorgrad entzogen. Minister aber bleibt
er, jedenfalls bis auf weiteres. Er habe "nicht bewusst getäuscht",
sagt er. Wer immer in seiner Dissertation gelesen hat, wird ihm das nicht
glauben - bei weit mehr als hundert, vielleicht sogar mehreren hundert nicht
ausgewiesenen Übernahmen aus Werken anderer Autoren, von denen viele zudem
gegenüber den Originalen leicht verändert sind. Weil die Universität Bayreuth
von ihren Promovenden eine "ehrenwörtliche" Erklärung verlangt, man
habe die Arbeit allein und selbständig verfasst, wird sich vielleicht noch eine
Kommission mit dem Willen zur Täuschung beschäftigen. Ob dabei etwas
herauskommt, ist eher ungewiss, aus politischen Gründen. Aus Guttenbergs Sicht
ist der Skandal jedenfalls erledigt. Zurück aber bleiben nicht nur ein etwas
angesengter Minister, sondern eine verheerte akademische Landschaft. Das liegt
nicht nur daran, dass sich nun Hunderttausende Prüfer fragen müssen, welche
Standards von Selbständigkeit und Originalität sie an die Arbeiten ihrer
Kandidaten anzulegen haben. Es liegt noch weniger daran, dass die Kluft
zwischen einem "summa cum laude" und einem aberkannten Doktorgrad ein
erhebliches Maß an Willkür im Umgang mit Qualifikationsarbeiten auf Seiten der
Universität offenbart. Das liegt vor allem daran, dass in dieser Affäre
deutlich wurde, was das regierende Personal tatsächlich über die Universität
denkt. Es gebe in Deutschland andere Probleme als Fußnoten, sagte Volker
Bouffier, der hessische Ministerpräsident (als ob Plagiate gleich Fußnoten
wären). Und die Bundeskanzlerin erklärte, sie haben einen Verteidigungsminister
und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter berufen (als ob ein Täuscher und
Blender dasselbe wäre wie ein Assistent). Die beiden wissen sich einig mit
einem Großteil der Bevölkerung, der Betrügereien im akademischen Betrieb
offenbar für eine lässliche Sünde hält - im Unterschied zu Betrügereien im
Sport, zum Doping, das in den Augen derselben Menschen unnachsichtig geahndet
gehört. Die Voraussetzung für solche Lässigkeit ist die Überzeugung, dass die
gesellschaftliche Sphäre, in der sich Guttenberg seine Verfehlungen hat
zuschulden kommen lassen, insgesamt von untergeordneter Bedeutung ist. Und das
heißt nicht nur, dass es in Deutschland Wichtigeres gibt als Wissenschaft.
Sondern es heißt auch, dass Wissenschaft so unwichtig ist, dass man dort krumme
Touren drehen kann, ohne in den Sphären, die wirklich wichtig sind,
Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Unaufrichtigkeit des
Verteidigungsministers fällt nicht ins Gewicht, weil sie in eine Sphäre fällt,
die als solche nicht ins Gewicht fällt. Diese Affäre hinterlässt Verheerung:
Seitdem die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie vor gut zehn Jahren als nationale
Katastrophe behandelt wurden, vor allem von Politikern, folgt eine
Bildungsinitiative auf die andere. Die Reform der akademischen Ausbildung nach
den Prinzipien von Bologna setzte eine radikale Verschärfung des akademischen
Wettbewerbs in die Welt, das Kriterium der Exzellenz teilte die deutschen
Universitäten in international konkurrenzfähige Institute und Anstalten von
regionaler Bedeutung. All diese Reformen wurden, besonders von der Politik, mit
der Rhetorik höchster Dringlichkeit, ja des drohenden nationalen Notstands
vorgetragen. Nicht weniger als die Zukunft Deutschlands sollte auf dem Spiel
stehen. Exzellenz muss ein Fetisch sein: Was davon tatsächlich zu
halten ist, offenbart die Verachtung der akademischen Welt, die aus den
Kommentaren Bouffiers und Merkels wie aus Mund vieler Wähler tönt. Und hätte
nicht Annette Schavan, die Ministerin für Bildung und Forschung, die Propagandistin
der Exzellenz und des akademischen Wettbewerbs, die Erste sein müssen, die in
dieser Affäre auf Einhaltung der akademischen Standards pochte - anstatt den
Kollegen sogar in Schutz zu nehmen? Man hat sich offenbar getäuscht. Die
Exzellenz muss ein Fetisch sein, der zur obsessiven Beschäftigung der
akademischen Welt mit sich selbst dient. Die Aufgabe von Fußnoten besteht
demnach nicht darin, die Quellen offenzulegen, den Forschungsstand zu
dokumentieren und die intellektuelle Leistung anderer zu achten, sondern darin,
Gunst- und Autoritätsbeweise zu spendieren. Und der akademische Betrieb besteht
dieser Wahrnehmung zufolge in eben jener Ansammlung ebenso weltvergessener wie
intriganter Eierköpfe, die der gesunde Menschenverstand, wie er im Volke so
verbreitet ist, schon immer in der Wissenschaft erkennen wollte. Denn worauf
zielen die demoskopischen Umfragen, die in den vergangenen Tagen veranstaltet
wurden, um die Reaktion der Wähler auf diese Affäre zu ermitteln - wenn nicht
auch der Suggestion, es ließe sich über die Bedeutung der Standards, die der
Verteidigungsminister verletzte, eine Volksabstimmung durchführen? Man kann
nicht auf der einen Seite erklären, Bildung sei die wichtigste Ressource dieses
Landes, um auf der anderen Seite die Qualifikationsstandards dem Populismus zu
überlassen. Man kann Wissenschaft nicht gleichzeitig beschwören und verachten.
Geschehen ist es trotzdem. Darin besteht die Verheerung, die diese Affäre
zurücklässt. URL: http://sueddeutsche.dehttp://www.sueddeutsche.de/karriere/guttenberg-und-die-plagiatsaffaere-die-verachtete-wissenschaft-1.1064590. Copyright: sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche
Zeitung GmbH. Quelle: (SZ vom 23.02.2011/jab)
14.02.2011,
18:40 Uhr | dpa: Polizei
warnt vor neuer Betrugsmasche am Geldautomaten. Am Geldautomaten lauert eine neue Gefahr: Polizeibehörden mehrerer
Bundesländer haben in den vergangenen Tagen vor sogenanntem
"Cash-Trapping" gewarnt. Dabei bringen die Täter eine baugleiche
Attrappe des Verschlusses über der Geldausgabe an und verhindern den Zugriff
auf das Geld. Das Geld kommt so nicht zum Kunden, sondern bleibt in der Falle
hängen. Kunden werden getäuscht. Wenn ein Kunde Bargeld abhebt,
wird das Geld zwar ausgeworfen, bleibt aber an einem Klebestreifen an der
Rückseite der Attrappe hängen. Der Kunde vermutet, dass sich der Schacht durch
einen technischen Defekt nicht geöffnet hat und wendet sich möglicherweise erst
später an seine Bank. Der Betrag wird aber vom Konto abgebucht und in einem
unbeobachteten Moment verschwinden die Täter mit Geld und Attrappe. Der
Klebestreifen verhindere dabei, dass das Geld wieder eingezogen wird,
berichtete die Polizei in Viersen. Flächendeckender Betrug. Die Masche ist der Polizei
zwar bereits länger bekannt, taucht nun aber erstmals massiv und flächendeckend
auf. In Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bremen schlugen die
Täter in den vergangenen Wochen bereits zu.
Kunden müssen genau aufpassen. Die Polizei rät daher bei
Abhebungen an Geldautomaten zu besonderer Vorsicht: Sollte bei einer Abbuchung
Geld nicht ausgegeben werden, raten die Beamten, am Geldautomaten zu bleiben
und Kontakt zur Bank aufzunehmen. "Schauen Sie sich auch den
Geldausgabeschacht genau an, ob eventuell Manipulationen vorgenommen wurden. Im
Zweifelsfall informieren Sie die Polizei", hieß es. http://wirtschaft.t-online.de/geldautomaten-polizei-warnt-vor-neuer-betrugsmasche/id_44385964/index
02.12.2009: Hass
aufs Anderssein. Obdachlose,
Schwule, Andersgläubige: Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100.000
Angehörige von Minderheiten Opfer einer Gewalttat. Experten sehen in den
"Hate Crimes" eine Gefahr für die zivilisierte Gesellschaft. Von Malte Steinhoff mehr...
18.05.2009: Deutschland
ist sozial zerrissen. Die ärmsten Regionen in Deutschland sind
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Das geht aus dem erstmals
veröffentlichten Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Als arm
gilt, wem weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen.
Ein Single gilt zum Beispiel als arm, wenn er über weniger als 764 Euro verfügt.
Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider stellte den Atlas am Montag in
Berlin vor. Weiter unter http://nachrichten.t-online.de/c/18/76/15/58/18761558.html 13.05.2009: Polizeistaat-Ranking:
Deutschland unter Top Ten. "Gehören zur Weltspitze bei elektronischer Bürgerüberwachung. Chicago (pte/13.05.2009/13:50) - Deutschland gehört zu den zehn Staaten
der Welt, in denen die Bürger in Bezug auf die Nutzung von
Informationstechnologien am stärksten überwacht werden. Zu diesem ernüchternden
Ergebnis kommt eine aktuell vorgelegte Untersuchung des US-Security-Unternehmens
Cryptohippie https://secure.cryptohippie.com,
die insgesamt 52 Nationen daraufhin analysiert hat, wie intensiv die dort
lebenden Menschen von den örtlichen Behörden ausspioniert werden. An der Spitze
des Negativ-Rankings des sogenannten "The Electronic Police
State"-Berichts für das Jahr 2008 finden sich wenig überraschend die
kommunistischen Staaten China und Nordkorea wieder. Dicht dahinter folgen
Weißrussland, Russland, Großbritannien (England und Wales) sowie die
Vereinigten Staaten. Vervollständigt werden die Top-Ten-Platzierungen durch die
westlichen Demokratien Israel, Frankreich und Deutschland. "Dass
Deutschland im Überwachungs-Ranking derart weit vorne zu finden ist, ist
einerseits zwar etwas verblüffend, bei genauerer Betrachtung aber auch keine
allzu große Überraschung", meint Thilo Weichert, Leiter des Unabhängiges
Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) https://www.datenschutzzentrum.de
, im Gespräch mit pressetext. Die Ergebnisse der Cryptohippie-Studie würden
insgesamt gesehen gut ins Bild passen und bestätigen, dass die Bundesrepublik
in Sachen elektronischer Überwachung bereits einige bedenkliche Entwicklungen
vorzuweisen habe. "Wir sind zwar nicht Weltmeister, was die elektronische
Bürgerkontrolle betrifft, immerhin gehören wir in dieser Hinsicht aber zur
Weltspitze. Vor allem mit der viel diskutierten Vorratsdatenspeicherung hat
Deutschland einen Schritt vollzogen, der von anderen EU-Ländern noch nicht
gewagt worden ist", stellt Weichert fest. "Wir wissen, dass unsere
Regierungen und private Unternehmen nahezu jede Form unserer elektronischen
Kommunikation überwachen. Dadurch fühlen sich die meisten von uns zwar etwas
beunruhigt, doch nur die wenigsten sagen oder tun etwas dagegen", heißt es
im Cryptohippie-Bericht. Hauptursache hierfür sei in erster Linie das fehlende
Wissen darüber, welche drastischen Konsequenzen das Aufzeichnen, Ordnen, Durchsuchen
und Verteilen der gesammelten User-Daten für die Betroffenen haben kann. Jede
E-Mail oder Kreditkartentransaktion und jeder Webseitenbesuch oder
Handy-Gebrauch würde von einem elektronischen Überwachungsstaat für lange Zeit
in einer Datenbank gespeichert. Von dort könnten sie per Knopfdruck zu jeder
Zeit von den Behörden als Beweis gegen den Bürger verwendet werden. "Was
das entsprechende Gefahrenbewusstsein betrifft, ist die Sensibilität innerhalb
der deutschen Bevölkerung im internationalen Vergleich stärker ausgeprägt als
in anderen Ländern. Bestätigt wird diese Einschätzung unter anderem durch den
Widerstand im Rahmen der Einführung der Vorratsdatenspeicherung und der
aktuellen öffentlichen Debatte um die Sperrung von Kinderpornoseiten",
betont Weichert. Insbesondere im Bereich der Internetnutzung sei aber
sicherlich noch viel an Arbeit nötig, um die deutschen Nutzer über Gefahren,
die im Netz auf sie lauern, aufzuklären. "Die meisten Menschen glauben
auch heute noch, dass sie ihre persönlichen Erfahrungen aus der Offline-Welt
einfach in das Internet übertragen können. Sie sind sich nicht bewusst, dass
sie zu jeder Zeit eine Datenspur im Netz hinterlassen, die weltweit
nachvollzogen werden kann. Bewusstseinsbildung ist aber auch in den Reihen der
Politik erforderlich, denn die Politikergeneration, die heute das Sagen hat,
setzt sich noch vorwiegend aus Verweigerern der neuen
Kommunikationstechnologien zusammen", so Weichert abschließend. (Ende) Quelle:
http://pressetext.de/news/090513033/polizeistaat-ranking-deutschland-unter-top-ten/
19.Dezember 2008,
STROMSTOSS-EXPERIMENT. So leicht werden Menschen zu Folterknechten von Christian
Stöcker. Die Elektroschock-Experimente Stanley Milgrams sind legendär. Sie gelten
bis heute als Beleg dafür, dass auch ganz normale Menschen schnell zu
erbarmungslosen Folterknechten werden können. Nun wurde die historische Studie
wiederholt - mit ernüchterndem Ergebnis. Was Stanley Milgram seinen
Versuchspersonen im Jahr 1961 antat, darf heute kein Forscher in der westlichen
Welt mehr - und seien seine Absichten auch noch so lauter. Nun wurde die Studie
über Gehorsam und Gnadenlosigkeit in einer Light-Version wiederholt. Und wieder
zeigte sich, wie leicht Menschen dazu gebracht werden können, andere zu quälen.
Wie in der Originalstudie ging es eigentlich nur darum, einen
"Schüler" - der in Wahrheit ein Helfer des Forschers war - mit
Bestrafung zum besseren Lernen von Wortpaaren zu bringen. Milgrams legendäres
Experiment veränderte das Selbstbild der Menschheit auf Dauer, weil er mit
einer schlichten Methode vorführte, wie leicht normale Menschen zu
Folterknechten gemacht werden können, zu gehorsamen Erfüllungsgehilfen einer
zerstörerischen Autorität. Der Großteil seiner Versuchspersonen verteilte
Elektroschocks, bis eine vermeintliche Versuchsperson im Nebenraum zunächst vor
Schmerzen brüllte und dann plötzlich, aber dauerhaft verstummte. "Das
Experiment erfordert, dass Sie weitermachen", sagte der Herr im weißen
Kittel, und die Versuchspersonen drückten noch einmal auf den Knopf. Wollte der
Proband erneut abbrechen, sagte der Versuchsleiter: "Es ist unbedingt
notwendig, dass Sie weitermachen." Und die Mehrheit tat das auch. Auch
wenn der durch jeden Knopfdruck vermeintlich mit Elektroschocks traktierte
"Schüler" im Nebenraum schon schrie, scheinbar vor Schmerzen. Ist
die Menschheit heute gnädiger als vor 50 Jahren? Die Mehrheit der
Versuchspersonen ging mit den Elektroschocks bis zum Ende der Skala, bis 450
Volt, in 15-Volt-Schritten. Diese Kombination aus ungewohnter Situation, nicht
hinterfragter Autorität und Salamitaktik betrachtete Milgram als Kernfaktoren,
die zum erbarmungslosen Verhalten seiner Testpersonen beitrugen. Gerade in den
Jahren seit dem 11. September 2001, in denen Folter plötzlich wieder zum Mittel
der Politik zu werden schien, wurden Milgrams Ergebnisse oft zitiert, um etwa
die Greuel von Abu Ghureib zu erklären. In verschiedenen Varianten ist die
Erkenntnis immer wieder erneuert worden - in
(fast) jedem steckt ein Folterknecht. Nun versuchte sich der Psychologe
Jerry Burger erneut an Milgrams Versuchsaufbau. Seine implizite Kernfrage: Sind
wir heute besser? Hat die Menschheit dazugelernt, lassen wir uns nicht mehr so
einfach zu Folterern machen wie damals in den frühen Sechzigern? Das hat schon
lange niemand mehr probiert - aus ethischen Gründen: Experimente wie das
Original, in dem den Versuchspersonen suggeriert wurde, sie hätten einen
Menschen gequält und womöglich dauerhaft geschädigt, gelten heute als nicht
mehr vertretbar. In manchen Varianten der Originalexperimente verwies der
"Schüler" im Nebenraum schreiend auf eine Herzerkrankung und
verstummte dann. Probanden solchem Stress auszusetzen, widerspricht heutigen
Ethik-Richtlinien für Experimente. Weiterdrücken, auch wenn das Opfer nicht
mehr reagiert. Also setzte Burger einen niedrigeren Abbruchpunkt an: Bei
150 Volt, im Original wie in der neuen Studie, schrie der "Schüler"
zum ersten Mal vor Schmerzen auf. Bei Milgram zögerten die Versuchspersonen
hier und wurden zum ersten Mal wirklich unsicher. Wer jenseits von 150 Volt
weitermachte, tat das meist bis ganz ans Ende. Mehr als 80 Prozent der
Probanden, die 150 Volt verabreicht hatten, drückten bis 450 Volt weiter auf
die Knöpfe - auch wenn der Proband irgendwann weder auf die Fragen noch auf die
Elektroschocks reagierte. Burger ließ deshalb nur virtuelle Stromstöße bis 150
Volt austeilen. Wenn Probanden danach weitermachen wollten, hielt der
Versuchsleiter sie davon ab. Es handele sich um "Gehorsam light",
schreibt Alan Elms, der in den Sechzigern mit Milgram zusammenarbeitete, in
einem Kommentar zu Burgers Studie. "Wenn man den Mann schreien hört 'lasst
mich raus, ich halte es nicht mehr aus', ist das der Punkt, an dem der Stress,
für den man Milgram kritisiert hat, einsetzt", sagt Burger über seine Studie,
die nun im "American Psychologist" erscheint. In der
"Light"-Version waren nicht ganz so viele Versuchspersonen bereit,
nach dem Schmerzensschrei noch weiterzumachen - 70 Prozent hätten auch den
Knopf für 165 Volt noch gedrückt. Die Abweichung zum Original ist jedoch nicht
einmal statistisch bedeutsam. Um zu überprüfen, ob der mäßigende Einfluss einer
zweiten Person daran etwas ändern würde, schleuste Burger in einem zweiten
Experiment eine vermeintliche Co-Versuchsperson ein. Sie weigerte sich ab einer
Spannung von 90 Volt, weitere Schocks zu verteilen. Doch trotz des guten
Beispiels übernahmen die meisten der Versuchspersonen an dieser Stelle
freiwillig die Aufgabe des Knöpfedrückens - und 65 Prozent der Teilnehmer
hätten auch unter diesen Bedingungen nach dem Hilferuf noch weitergemacht. Ein
"überraschendes und enttäuschendes" Ergebnis sei das, sagt Burger. "Ernstzunehmende
Lücke" Eins mache seine Studie jedoch deutlich: Die "Vorstellung,
dass die Menschen in den frühen sechziger Jahren irgendwie einfacher zu
Gehorsam zu bewegen waren", sei nicht haltbar. Milgrams früherer
Mitarbeiter Elms zeigte sich einerseits schockiert von Burgers Ergebnissen. Er
habe in Interviews immer wieder der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die
Ergebnisse aus den Sechzigern heute nicht mehr replizierbar wären, schreibt Elms in einem
Kommentar. "Da gehen meine hoffnungsvollen Erwartungen über deutlich
geringeren Gehorsam dahin!". Er verweist jedoch auf Vorsichtsmaßnahmen,
die Burger getroffen hat und die in seinen Augen das Ergebnis schwächen: Burger
akzeptierte nur Versuchspersonen, die das Milgram-Experiment eigenen Angaben
zufolge nicht kannten. Und er ließ von Psychiatern Interviews durchführen, um
Menschen auszuschließen, denen die Stresssituation des Experimentes hätte Schaden
zufügen können. Die nach dieser Doppelauswahl übriggebliebenen Probanden
könnten möglicherweise "beträchtlich gehorsamer sein" als
Durchschnittsmenschen, spekuliert Elms. Ein zweiter Kommentator, der Psychologe Arthur Miller,
spricht in der gleichen Ausgabe des "American Psychologist" sogar
von "ethischem Overkill" in Burgers Studie. Man könne die Arbeit mit
den Originalexperimenten nicht sinnvoll vergleichen. Dennoch seien Studien wie
die Burgers gerade heute wieder dringend nötig, sie "füllen eine
ernstzunehmende Lücke". Miller: "Die Bedingungen und Gründe zu
verstehen, die Menschen dazu bringen, physischen Schmerz zu verursachen und
Strafen bis hin zu Mord zu verteilen, insbesondere auf Befehl innerhalb einer
Organisationshierarchie, ist heute vielleicht wichtiger als je zuvor." Mit
Material von Reuters. URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,597501,00.html
ZUM THEMA AUF SPIEGEL ONLINE:
Psychologie: Was Menschen zu Tätern macht (14.03.2008) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,541023,00.html Psychologie-Studie: In jedem steckt ein Folterknecht (26.11.2004) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,329706,00.html ZUM THEMA IM INTERNET: "American Psychologist": Kommentar von Elms http://www.apa.org/journals/releases/amp641-3.pdf "American Psychologist": Kommentar von Miller http://www.apa.org/journals/releases/amp641-2.pdf "American Psychologist": Burger repliziert Milgram http://www.apa.org/journals/releases/amp641-1.pdf SPIEGEL ONLINE ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internet-Seiten. © SPIEGEL ONLINE 2008. Alle Rechte vorbehalten
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